In der Informatik wird eine Millisekunde üblicherweise wie folgt definiert:

“Zeit die nach Ablauf der Garantiezeit vergeht, bevor die Festplatte anfängt komische Geräusche zu machen”

Bei einem Bau mit Breyer und Seck ist eine Millisekunde, die Zeit die zwischen Fertigstellung eines zahlungsrelevanten Gewerks und Rechnungsstellung vergeht. Beim Stein des Anstoßes, um den es hier geht, wurde die Rechnung sogar vier Tage bevor alle Arbeiten abgeschlossen gestellt.

Aber die vier Tage waren das kleinste Problem. Das eigentliche Problem war unser Gutglaube, dass eine Bezahlweise nach Baufortschritt – in diesem Fall die Elektrorechnung mit 80% – auch ungefähr einem Baufortschritt von 80% entsprechen sollte. Zudem haben wir uns in dem Umstand getäuscht, dass Gewerke, die sowohl laut Bauzeitenplan als auch von der „normalen“ Logik her vor dem zahlungsrelevanten Gewerk liegen, dann auch in der Realität vorher abgeleistet werden.

Unser Fehler.

Die Realität sah so aus, dass wir Herrn Stahmer bei Fertigstellung des Elektrogewerks darauf hingewiesen haben, dass

  1. Mängel in der Dachkonstruktion nicht bearbeitet sind
  2. Die Statik Probleme nicht behoben sind
  3. Der Klinker weder fertig, noch optisch akzeptabel ist
  4. Weder Fenster noch Türen geliefert sind

und wir es nicht verantworten können, die volle Rate zu bezahlen und wir für Vorschläge über Abschlagszahlungen offen sind. Um es noch mal umgekehrt zu rechnen: mit 20% der Restkosten, hätten wir

  1. Fenster
  2. Klinker
  3. Statik Probleme
  4. Fußboden-/Heizung
  5. Solarkollektoren
  6. Estrich
  7. Innentüren
  8. Fliesen
  9. Endmontage Elektro
  10. Endmontage Sanitär

decken müssen. Würde man diese Argumentation von Breyer und Seck weiter spinnen, dann könnten sie nach der Elektro Rohinstallation den Putz an die Wände hauen und die 95% Rechnung stellen. Viele Grüße aus Absurdistan.

Das Ergebnis war, das Breyer und Seck die volle Rechnung gestellt hat und einen Monat später uns einen Baustopp angedroht hat. Nicht, das bis dahin die oben genannten Punkte gelöst worden wären. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Breyer und Seck mit der geplanten Fertigstellung des Klinkers (01.07.) bereits ca. 3 Monate im Verzug war.

In einem klärenden Vororttermin wurden dann die Restarbeiten besprochen, die von Breyer und Seck geleistet werden müssen, damit wir der Zahlung zustimmen. Beim Erreichen dieser haben wir die Zahlung bei unserer Bank umgehend angewiesen.

Alles gut, sollte man denken.

Leider nein, vier Werktage danach wurde uns ein erneuter Baustopp angedroht, weil das Geld noch nicht auf dem Konto von Breyer und Seck eingegangen war. Vier – bei einem normalen Zahlungsziel von 10 Tagen auf den Rechnungen.

Ein Anruf bei Herrn Seck führte dazu, dass ich mich von Herrn Seck einen Lügner nennen lassen durfte oder wortwörtlich „Sie können mir ja sonst was erzählen“ – und das, nachdem ich die Bestätigungs-E-Mail der Haspa an ihn weitergeleitet habe.

Nachtrag 07.04.2013: der Artikel wurde ursprünglich am 19.10.2011 verfasst

2 Kommentare

  1. Hallo,
    wir haben gerade genau das gleiche Thema mit B&S. 80% sollen bezahlt werden, aber der Baufortschritt entspricht dem nicht Stand nicht.
    Mich würde mal interessieren, wie dieses Problem bei Euch ausgegangen ist? Habt Ihr bezahlt oder einen Anwalt eingeschaltet?
    Gerade heute kam noch eine unmögliche Mail von Hrn. Breyer…
    Danke vorab und viele Weihnachtsgrüße,
    Gernot Zarp

    • Hallo Gernot,

      wir haben einen Vorort-Termin vereinbart, indem besprochen wurde, was Breyer und Seck fertigstellen muss, damit wir die Zahlung leisten. Um dies solide zu argumentieren, habe ich die 20% die nach der 80%-Zahlung verbleiben würden, den geschätzten Restkosten gegenübergestellt. Danach habe ich mir Gewerke ausgewählt, die sinnvollerweise vor der Zahlung (mängelfrei) abgeschlossen sein müssen, damit die dann noch verbleibende Differenz “zu verschmerzen” wäre. (Achtung: Anwaltskosten, Zinskosten, usw. beachten!).

      Ich kenne Deinen Fall nicht und kann demzufolge Dir auch nichts raten, außer ruhig Blut und möglichst sachlich bleiben. Grundsätzlich gilt meiner bescheidenen Meinung nach regelmäßig: eine Lösung finden ist besser als prozessieren.

      Wir haben im Übrigen zu einem späteren Zeitpunkt einen (Fach-)Anwalt hinzugezogen. Zwischenzeitlich hat es sich ausgezahlt einen Anwalt im Freundeskreis zu haben, um grundsätzliche Fragen zum Vertragsrecht zu klären.

      Sollte sich Euer Fall ähnlich darstellen wie bei uns, dann kann man nur sagen, wie armselig von Breyer und Seck, dass man sich an Weihnachten mit so was beschäftigen muss. Angeblich ist die Firma ja finanziell so liquide bei diesen Themen kommen einem manchmal Zweifel auf :)

      Ich wünsche Euch trotzdem ein frohes Fest und dass Ihr Eure Probleme gut und hoffentlich einvernehmlich auflösen könnt.

      Grüße,
      sven

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